Motto

Wer wagt es, sich den donnernden Zügen entgegen zu stellen?
Die kleinen Blümchen zwischen den Eisenbahnschwellen.
Erich Kästner

Samstag, 17. Dezember 2011

Durchzug - Lärmterror im Rheintal

Ein Film von Christoph Würzburger

Ursprünglich wurde der Film am 12. und 15. September vom WDR gesendet. Hier (WDR - anklicken!) gibt es die Gelegenheit, den Film auch jetzt noch am PC zu sehen (44:09min).




PHOENIX brachte nunmehr 3 Wiederholungen.
Mi, 14.12.11, 21.00 Uhr
Do, 15.12.11, 08.00 Uhr
Do, 15.12.11, 19.15 Uhr

PHOENIX dazu:

Lärmterror durch die Bahn am Mittelrhein: Durch die idyllischen Städtchen rollen die Güter der globalisierten Welt. Mit 100 Dezibel an der Schmerzgrenze. Ausgerechnet das Unesco-Weltkulturerbe Mittelrhein gehört zur neuen europäischen „Alpentransversale“ der Bahn, die von Rotterdam bis nach Genua führt. Für Gerhard Köhnen und Elly Schneider aus Filsen am Rhein bedeutet das: Alle fünf Minuten bebt die Erde, klirren Gläser, wackeln Wände und Türen. Rund 400 Züge donnern täglich durch das Rheintal - fünf Meter an ihrem Haus vorbei. Beladen auch mit jeder Menge Gefahrgut. 
Nirgendwo sonst in Europa fahren mehr Züge, nirgendwo sonst ist der Bahnlärm lauter, näher und bedrohlicher. Seit Jahren haben Bürger unendliche Wut im Bauch. Sie werden krank, ihre Häuser sind nichts mehr wert, wer kann, zieht weg. Bei den Recherchen kommt nach und nach heraus: Die Politiker in Berlin vernachlässigen beim Lärmschutz ihre gesetzgeberischen Pflichten. 
die story begleitet Menschen am Mittelrhein bei ihrem Kampf gegen den Bahnlärm. Der Film stellt die kleine, romantische Welt der Rheintalbürger den großen paneuropäischen Träumen von Bahn und Politik gegenüber.
Dazu gibt es auch eine ARD-Rückschau: Bahnlärm – wie viel muss sein? (anklicken!)

Mittwoch, 30. November 2011

Mehr Bewegung im Rheintal

Niedrige Schutzwand gegen Lärm
30.11.2011 - BINGEN

Von Björn Gutheil
zum Original hier:

BINGEN
Bahn erprobt innovative Bautechnik / Hohe Belastung durch Güterverkehr 


Die Lärmbelastung im Mittelrheintal hat einen Pegel erreicht, der vielen Menschen zu schaffen macht. Insbesondere der Schienengüterverkehr in der Nacht lässt viele Anwohner nicht mehr ruhig  schlafen.

Bingen Hauptbahnhof  / Foto: Wikipedia
Die Deutsche Bahn hat in dieser Woche in Bingen, Oberwesel und Osterspai an vier Streckenabschnitten auf einer Länge von insgesamt 1,3 Kilometern mit den Vorarbeiten zur Errichtung  spezieller niedriger Schallschutzwände begonnen. Laut Presseinformation der Bahn ermöglicht die innovative Bautechnik der niedrigen Schallschutzwände näher an die Gleise heranzurücken. „Durch die verringerte Distanz zwischen der Lärmquelle und den entlang der Gleise eingebauten Wänden wird die Ausbreitung der Lärmemission entsprechend reduziert“, teilt die Bahn mit. In Bingen wird eine Z-förmige Betonwand errichtet, während in Oberwesel Stahlkassetten mit Rammpfahlgründung und in Osterspai Stahlkassetten mit klassischem Einzelfundament verarbeitet werden.

55 Zentimeter hohe Betonelemente

Wie ein Sprecher der Bahn mitteilt, sind die Betonelemente, die in Bingen errichtet werden, drei Meter lang und nur 55 Zentimeter hoch. In dem Betonblock, der neben der Gleise aufgestellt wird, befindet sich eine Stahlkassette mit Absorptionsmaterial, welches den Lärm absorbieren soll. In Bingen und Oberwesel sollen die Baumaßnahmen bis Weihnachten abgeschlossen sein, in Osterspai im Frühjahr 2012. Die Bahn untersucht die Wirkung dieser neuen Bauweisen hinsichtlich ihrer Lärmminderung. Die Ergebnisse sollen bis Mitte 2012 vorliegen. Wie die Bahn mitteilt, werden die Maßnahmen mit rund 1,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm zwei der Bundesregierung finanziert.

Ein weiterer wichtiger Schritt zur Verringerung des Schienenverkehrslärms ist die für Dezember nächsten Jahres geplante Einführung eines lärmabhängigen Trassenpreissystems. Nach Bahninformationen sieht dieses höhere Entgelte für Züge ohne Flüsterbremsen und einen Bonus für Güterwagen vor, die auf Lärm mindernde Technologien umgerüstet wurden.

Freitag, 11. November 2011

Seelsorgerische Unruhe im lauten Rheintal

Bericht aus der


Synode des Dekanates St. Goarshausen fordert weniger Bahnlärm im Rheintal


Miehlen - Die Synode des evangelischen Dekanats St. Goarshausen hat die Landeskirche aufgefordert, sich für die Reduzierung des Bahnlärms am Mittelrhein einzusetzen.

Loreleystadt St. Goarshausen / Foto: Felix Koenig (Wikipedia)

In ihrer Herbsttagung in Miehlen verabschiedeten die Synodalen aus den Verbandsgemeinden Loreley, Nastätten und Teilen Braubachs einen Antrag, der die Kirchenleitung auffordert, gegenüber den zuständigen politischen Gremien die Anliegen der „Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.“ zu unterstützen.

Matthias Metzmacher, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirche Rhein-Lahn, der den Antrag eingebracht hatte, stellte den Synodalen die Forderungen der Bürgerinitiative vor, die unter anderem die Einführung eines lärmabhängigen Trassenpreissystems sowie den Einsatz moderner, lärmarmer beziehungsweise die Umrüstung alter Züge fordert.

Mittwoch, 9. November 2011

Klage, Blockade und Demo gegen Bahnlärm


Bürgerinitiative erhöht die Schlagzahl
Von Uwe Hofmann
[Coswig.] "Eigentlich hat sich nichts geändert", zieht Horst Heiden ein deprimierendes Fazit. Seit er und Christian Günthel Anfang April zu Coswigs Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) marschiert sind, um sich über den Lärm durchrauschender Güterzüge zu beschweren, ist es an der Berliner Strecke tatsächlich nicht leiser geworden. "Dabei war es mein Ziel, bis Ende des Jahres etwas zu erreichen", sagt Heiden, der am Coswiger Anne-Frank-Weg ein Grundstück in unmittelbarer Nähe zur Eisenbahn besitzt. Dennoch wird die inzwischen von Heiden und Günthel ins Leben gerufene Bürgerinitiative Bahnemission im Elbtal (BI) am Sonntag bei einer Protestveranstaltung in der Börse Coswig eine durchaus beachtliche Bilanz aufstellen können.

Zwei Demonstrationen haben die BI-Mitglieder - zumeist Betroffene aus Weinböhla und Coswig - auf die Beine gestellt, bei denen insgesamt mehr als 2000 Menschen kamen. Auch der Schulterschluss mit der Politik gelang, zumindest teilweise. So ist Coswigs Oberbürgermeister inzwischen einer der rührigsten Akteure im Kampf gegen den Bahnlärm. Hinter den Kulissen hat vor allem der gerade wiedergewählte CDU-Kreisvorsitzende Geert Mackenroth dafür gesorgt, dass das Landesamt für Umwelt objektive Lärmmessungen unternehmen wolle, wie der BI-Vorsitzende Heiden sagt. Die kosten immerhin 15 000 Euro - eine Summe, die für den losen Zusammenschluss Betroffener kaum zu stemmen ist. "Allerdings will die Bahn diese Messung nicht zulassen, weil die sanierte Berliner Bahn keine Neubaustrecke ist", sagt Heiden. Immer wieder bremsen juristische Feinheiten die BI aus.

Davon kann auch das Fachkrankenhaus ein Liedchen singen. Das hat wegen des Bahnlärms geklagt und wartet seit Wochen auf einen Richterspruch vom Bundesverwaltungsgericht. Wird in Leipzig im Sinne der Coswiger entschieden, bekommt das Fachkrankenhaus Schallschutzwände. Das brächte nur einem kleinen Gebiet Erleichterung. Das Urteil wird dennoch von der halben Stadt mit Spannung erwartet, weil es zumindest in diesem Abschnitt als mustergültig eingeschätzt wird.

Deshalb wartet auch Ute Reichelt, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft WGC, auf den Entscheid. "Wenn wir ihn haben, werden wir uns wieder mit der Bürgerinitiative zusammensetzen", sagt sie. Denn nach anfänglichen Irritationen arbeitet die WGC mit der BI zusammen - auch das ist ein Erfolg. Der Genossenschaft gehören die Neubaublöcke im Wohngebiet Dresdner Straße, die unmittelbar am Bahndamm stehen. Nachdem die BI gehörigen Druck auf die WGC gemacht hatte, indem sie Genossenschaftler zur Mietminderung aufgefordert und dafür eigens ein Beispielschreiben mit der Adresse der WGC im Briefkopf zur Verfügung gestellt hatte, hat man sich nun zusammengerauft. "Mietminderung bringen ja auch nichts, weil sie an der Sache, dem Bahnlärm, nichts ändern", sagt Reichelt. Entsprechend habe man alle Genossenschaftler zum Einlenken bewegen können, auch mit Verweis auf die ohnehin schon günstigen Mieten, wie Reichelt sagt.

Langsam müht sich die BI so vorwärts. Jetzt will sie die Schlagzahl erhöhen, um schneller ans Ziel zu gelangen. So geht Horst Heiden als einer der ersten den Weg vor das Gericht, klagt wegen Verletzung seiner Grundrechte und Minderung seines Grundstückswerts. Der Stadtkasse werde er künftig nur die Hälfte seiner Grundsteuer zahlen, schließlich sei sein Grundstück nichts mehr wert, sagt er. Ebenso denkt er an radikalere Aktionen, etwa die nächtliche Besetzung der Trasse. Die Bundespolitik muss in Bewegung kommen und das geht ohne bundesweite Schlagzeilen nicht, so das Kalkül. Allerdings sollen die auch anders entstehen. Den Winter über will sich die BI mit weiteren im Bundesgebiet zusammenschließen und eine große Protestaktion vor dem Berliner Reichstag im Juni organisieren.

13. November, 15 Uhr: Protestveranstaltung gegen Bahnlärm im Elbtal in der Börse Coswig, Hauptstraße 29

Ruhe bewahren trotz Bahnlärms

180 Züge rauschen an Horst Heidens Fenster vorbei. Jeden Tag. Einige von ihnen mit einer solchen Lautstärke, dass er tagsüber Gespräche oder Telefonate unterbrechen muss, nachts aus dem Schlaf hochschreckt. Kein Wunder, dass es dem Coswiger nicht schnell genug gehen kann, dass er seine Ruhe wiederbekommt. Die schlechte Nachricht für ihn ist: Das wird in den nächsten Monaten nicht passieren. Andere Bürgerinitiativen kämpfen schon jahrelang, wissen Landräte und Landespolitiker in ihren Reihen und beißen sich dennoch die Zähne an der Bahn aus. Der ist nur beizukommen, wenn man sich auf Bundesebene bewegt. Insofern ist die Marschrichtung Bundestag genau die richtige. Doch auch dort mahlen die Mühlen langsam. Das lässt sich auch nicht mit spektakulären Aktionen beschleunigen. Die können im schlechtesten Fall noch dafür sorgen, dass die BI ihren mühsam erarbeiteten Status als ernstzunehmender Gesprächspartner verliert. Es heißt also Ruhe bewahren und mit kühlem Kopf weiterarbeiten.

u.hofmann@dnn.de



Freitag, 14. Oktober 2011

Mietminderung wegen Bahnlärms - zweiter Pressebericht

Quelle: Wochenkurier Meißen 

Mietminderungen wegen Bahnlärm?

Foto: Mietminderungen wegen Bahnlärm?
Die Betroffenen bei der ersten Demo in Coswig: Mehr als 2.400 Menschen haben eine Petition gegen den Bahnlärm unterzeichnet.                      Foto: Kube
11.10.2011

Coswig/Weinböhla. Der Bahnlärm in Coswig und der damit verbundene Unmut der Anrainer hat u.a. auch dafür gesorgt, dass der Mieterverein Meißen und Umgebung viele neue Mitglieder aus Coswig aufnehmen konnte. Zwischenzeitlich kursiert auch der Vordruck eines Mietminderungsschreibens. Doch wie aussichtsreich das?Meissen/Coswig. Für Eyk Schade, Vorsitzender des Mietervereins, ist die Sachlage klar. „Der Wohnkomfort und die Wohnqualität hat sich für viele Betroffene an der Bahntrasse wesentlich verschlechtert“, sagt er.
Denn maßgeblich entscheidend für eine Mietminderung ist die Ausgangssituation, in diesem Fall der Ist-Zustand zur Anmietung. „Verschlechtert sich beispielsweise das Wohnumfeld im Laufe der Zeit, so ist der Vermieter gefragt, die Missstände abzustellen, selbst wenn er nichts dafür kann“, so Schade weiter.   Ein Gutachten, etwa zu den Dezibelwerten, sei dazu nicht nötig. „Im akuten Beispiel gibt es schließlich genügend Zeugen“, meint Schade weiter.  Im Normalfall muss der Mieter dem Vermieter vor der Mietkürzung über seine Absicht informieren und ihm Gelegenheit geben, darauf zu reagieren. Ob es sich dabei um einen Privatvermieter oder eine Genossenschaft handelt sei unerheblich, auch wenn mancher argumentiert, dass es im eigenen Hause kein Mietminderungsrecht gäbe. In dem Mustervordruck, der an die Wohnungsgenossenschaft Coswig adressiert ist, ist von zehn Prozent Mietminderung die Rede. Nach Ansicht des Mietervereins dürfte das in manchen Fällen sogar noch mehr werden, abhängig vom Einzelfall.
Unterdessen wurde der Musterbrief wieder zurück gezogen. „Uns ist es lieber wir bekommen die Wohnungsgenossenschaft mit ins Boot als einen Streit vom Zaun zu brechen“, so Horst Heiden von Bürgerinitiative „Bahnemission - Elbtal“. Wie er weiter erklärte, habe es bereits erste konstruktive Gespräche gegeben, worin die Genossenschaft ihre Unterstützung zugesagt hätte. Mittlerweile haben mehr als 2.400 Betroffene zwischen Weinböhla und Radebeul eine Sammelpetition gegen den Bahnlärm unterzeichnet. Ziel sei es, den Bahnlärm wieder auf ein erträgliches Maß (höchstens 59 Dezibel) zu reduzieren. „Ob die Bahn das durch technologische Neuerungen, Tempolimit oder ähnliches erriecht, ist uns gleich. Wir wollen einfach wieder unsere Ruhe“, so Heiden. Dem Mieterverein haben unterdessen erste Mieter berichtet, dass sie mittlerweile ernsthaft über einen Auszug nachdenken.
           A. Schramm 

Mietminderungen wegen Bahnlärms - erster Pressebericht (SZ)

Für Nicht-SZ-Leser (Wir empfehlen ausdrücklich das Abonnement!)
Freitag, 14. Oktober 2011
(Sächsische Zeitung)

Erste Mietminderungen wegen Bahnlärms

Von Torsten Oelsner

Bis zu 20 Prozent weniger Kaltmiete sind möglich. Aber nicht alle Betroffenen dürfen reduzieren.

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Die Bewohner der Coswiger Neubaugebiete in Bahndammnähe sind verstärkt vom Bahnlärm betroffen. Jetzt haben die ersten Mietminderung angekündigt. Die Vermieter wollen mit der Bahn Kontakt aufnehmen. Foto: Kube
Coswig. Der Mieterverein Meißen hat derzeit gut zu tun. Die großen Umbaumaßnahmen besonders im Coswiger Wohngebiet Dresdner Straße hätten für einen starken Zuwachs an neuen Mitgliedern geführt, so die Führung des Mietervereins.

Jetzt mehren sich auch die Fälle, in denen Mieter die Miete wegen des unerträglichen Bahnlärms mindern. „Zwischen 15 und 20 Prozent der monatlichen Kaltmiete kann man wegen Lärm mindern“, so Irene Seifert. Die Coswiger Rechtsanwältin ist neben Eyk Schade zweite Vorsitzende des Mietervereines Meißen und Umgebung. Die Begründung der Minderung liefert der Paragraph 536 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach das Einbehalten von Teilen des Mietzinses möglich ist, wenn es eine Änderung des vertragsgemäßen Zustandes gibt. Und das sei beim Thema Bahnlärm eindeutig der Fall. Der Mieter selbst müsse die Miete mindern, das aber seinem Vermieter mitteilen. Der wiederum könne sich nicht auf „höhere Gewalt“ oder mit der Bemerkung, es sei nicht seine Schuld herausreden. Die Änderung des „vertragsgemäßen Zustandes“ sei eine Sache an sich. Dem Vermieter bleibe nur, gegen diese Störung seiner Verträge vorzugehen. Diese Mietminderung gelte ausschließlich für Altverträge. Wer jetzt neu beispielsweise in einen der umgestalteten Blocks in Coswig einziehe, akzeptiere mit seinem neuen Mietvertrag auch den Lärm als Bestandteil oder muss binnen weniger Tage nach dem Einzug seine Minderung geltend machen.

Inzwischen kenne man aus Coswig einen Fall, bei dem die Wohnungsgenossenschaft Coswig die Minderung der Miete durch eine vom Baugeschehen betroffene Familie solange unbeachtet ließ, bis zwei Monatsmieten Verzug aufgelaufen waren. Daraufhin habe die Genossenschaft mit der fristlosen Kündigung reagiert, so Irene Seifert. Ähnliches könnte auch bei Minderungen wegen Lärm passieren, wobei die Gerichte dieselben Tabellen heranzögen, was die Höhe der Minderung anbelangt und die Leute juristisch nichts zu befürchten hätten. „Die Gerichte urteilen nur dann im Sinne des Vermieters, wenn die Miete in einem deutlichen Missverhältnis zum beanstandeten Mangel gemindert wurde, erklärt die Anwältin.

Musterbrief mit Adresse

Um den Bewohnern das Ganze leichter zu machen, hatte die neue Bürgerinitiative gegen den Bahnlärm einen Musterbrief auf ihre Homepage gestellt, den sie allerdings nach der diskreten Einflussnahme einer Aufsichtsrätin der Genossenschaft wieder vom Netz nahm. „Das war ein Fehler“, gibt Hort Heiden, einer der beiden Gründer offen zu. In dem Musterbrief habe sogar die Adresse der Wohnungsgenossenschaft Coswig gestanden. Das gehe natürlich nicht. Inzwischen war zu erfahren, dass die WGC eine eigene Klage gegen die Bahn anstrebe. Eine Bestätigung war dazu bei der Genossenschaftsführung gestern nicht zu bekommen. Betroffen ist aber auch die städtische Wohnbau- und Verwaltungsgesellschaft Coswig (WBV). Geschäftsführerin Pia Engel bereite gerade ein Schreiben an die Bahn vor, indem sie auf die Probleme der Mieter in diesem Bereich aufmerksam machen will.

„Sinnvoll wäre es, wenn wir unsere Aktivitäten bündeln würden“, sagt WBV-Aufsichtsratsvorsitzender Sven Böttger. Die WBV sei an dieser Stelle nämlich argumentativ etwas im Nachteil, weil sie gar nicht so viele Wohnungen habe, die unmittelbar an der Bahn gelegen seien. Die großen Genossenschaftsbauten schirmten die WBV-Häuser gewissermaßen gegen den gröbsten Lärm ab. Dennoch habe man nur im geschlossenen Auftreten aller Vermieter eine Chance, etwas zu ändern.

Montag, 10. Oktober 2011

Montags-Demo in Weinböhla (Bericht: Sächsische Zeitung)

Für Nicht-SZ-Leser (Wir empfehlen ausdrücklich das Abonnement!)
Dienstag, 11. Oktober 2011
(Sächsische Zeitung)

Weinböhla fordert leisere Züge

Von Torsten Oelsner

Die Einwohner sorgen sich um den Titel Erholungsort. Landrat Steinbach wurde zur gestrigen Demo vermisst.


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ennart Matzke war mit seinen Eltern und Hunderten weiteren Teilnehmern zur gestrigen Demonstration gegen Bahnlärm an den Bahnhof Weinböhla gekommen. Seine Botschaft ist eindeutig. Foto: Kube
Schon deutlich ausgedünnter was die Präsenz an Politprominenz betrifft, ging die zweite Lärmdemo der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm über die Bühne. Diesmal hatten die Verantwortlichen nach Weinböhla an den alten Berliner Bahnhof eingeladen. Außer Martin Dulig, dem Fraktionschef der SPD im Sächsischen Landtag, war niemand da von der landespolitischen Ebene. Landrat Arndt Steinbach habe abgesagt mit den Worten, dass er mit der Bundespolitik in Verbindung stehe und sich weiterhin über die Vorhaben der Initiative informieren werde. „Damit können wir uns natürlich nicht zufrieden geben“, so Horst Heiden, einer der beiden Gründer der neuen BI.

Weinböhlas Bürgermeister Reinhart Franke (CDU) sprach aus, was die Bürger in dieser Situation hören wollen. Man stehe mit der Politik in Verbindung, unterstütze das Ansinnen der Bahnlärmgegner. „Aber wir sind auch für das Verursacherprinzip“, sagte Franke. „Wir werden keine Gelder für Kitas oder Schulen verwenden, um hier Lärmschutzmaßnahmen zu finanzieren“, betonte er.

Weinböhlas Titel futsch?

Die Herzen der Demonstranten erreichte jedoch Cornelia Fiedler, die neue Vorsitzende der Bürgerinitiative Weinböhla (BIW). Nach dem Verlust des Welterbetitels in Dresden durch den Bau einer Brücke, könne es sich Weinböhla nicht leisten, den Titel „Anerkannter Erholungsort“ einzubüßen. Aber wie könne sich ein Ort Erholungsort nennen, wenn sich nicht mal mehr die Einwohner selbst hier wohl fühlten. Der Titel dürfe nicht zur Mogelpackung verkommen. Man könne keine Gäste hier willkommen heißen bei diesen Zuständen. Und das beträfe nicht nur Weinböhla allein, sondern das ganze Elbtal, sagte Cornelia Fiedler unter dem donnernden Applaus der Anwesenden. Um den Titel zu erhalten, seien Parameter einzuhalten, die der Erholung förderlich sind. Doch die seien seit einem halben Jahr nicht mehr gegeben.

In diese Kerbe schlug auch der nächste Redner, Jens Kraßler, der als Intensivmediziner am Fachkrankenhaus Coswig arbeitet. „Als Narkosearzt habe ich genug Mittel in meinem Repertoire, um meine Patienten ruhig schlafen zu lassen“, sagte er. Aber das könne es nicht sein. Es sei medizinisch nachgewiesen, welche verhängnisvollen Schäden permanenter Lärm auf den Körper habe. In Coswig seien 80 Dezibel nachgewiesen worden. Bei 100 Dezibel, ein Wert, der ebenfalls schon bei Güterzügen in Coswig gemessen wurde, reagiere der Körper nach dem Prinzip „Alles oder nichts“. Der Dauerlärm wirke sich auf das Herz aus bis hin zu Depressionen. Auch eine emotionale Bemerkung wolle er sich erlauben, so der Mediziner. „Wenn mir Brüssel und damit die Europäische Union vorschreibt, welche Glühbirne ich in meine Lampe schraube, dann kann ich auch erwarten, dass die europäischen Richtlinien für Bahnlärm eingehalten werden. Und die besagen 65 Dezibel bei Tag und 45 Dezibel bei Nacht.“

Zum Abschluss zitierte BI-Gründer Horst Heiden aus einem Briefwechsel zwischen Thomas de Maizière und Bahnchef Rüdiger Grube, in dem der schreibt, in Coswig werde schon immer mit Tempo 120 gefahren. „Das ist eine glatte Lüge“, so Heiden unter dem Applaus der Teilnehmer.

Aufruf zur Mäßigung

Zur Diskussion mit einem einzigen interessierten Leser
Einer (!) von über 100 Lesern (vom Tag des Erscheinens an) macht (mittels Kommentarfunktion hier in diesem Blog) darauf aufmerksam, dass durch Mietminderung kein Dezibel Lärm abgebaut, jedoch den Vermietern Schaden zugefügt wird.
Das ist richtig.
Brueghel - Sieben Tugenden - Temperantia (Mäßigung)
/Quelle:Wikipedia
Noch größer wird der Schaden der Vermieter freilich, wenn die Mieter ausziehen - oder leer stehende Wohnungen keine neuen Bewohner finden - weil es anderweitig ruhigere Wohnlagen gibt. Dazu hat die Initiative, die den Musterbrief ursprünglich veröffentlicht hat, keine Anleitung gegeben. Das könnte ohne Zutun Dritter, sozusagen "ganz von selbst" geschehen. Zumal der demografische Wandel in Coswig schon jetzt sicht- und spürbar ist.
Der "Musterbrief" wird also nichts bringen. Deswegen ist die ursprüngliche Veröffentlichung (mit dem direkt auf einen konkreten Wohnungsbetrieb zugeschnittenen Inhalt) sicherlich auch zurückgezogen worden.
Die Diskussion hingegen ist "angeheizt" worden, was man tun kann gegen den Lärm. Immerhin das ist nützlich. Die heutige Demo um 18 Uhr in Weinböhla wird vielleicht zeigen, wie weit sie gediehen ist.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Musterbrief zur Mietminderung

Maskottchen Deutscher Mieterbund

(Übernommen von XXXXXXXXXXXXXXXX einer Webseite - deren Inhaber sich neuerdings energisch davon distanziert - dort auch über viele Tage zum Download verfügbar)**

Im Zweifelsfalle berät auf jeden Fall fachgerecht und juristisch korrekt der Mieterverein Meißen und Umgebung e.V.!***

Musterbrief Mietminderung

Absender:
Name
Straße
0123 Musterstadt*
Musterstadt*, Muster-Datum*



Wohnungsunternehmen Musterstadt*
Musterstraße* 13 b
0123 Musterstadt*
Mängel in der Mietwohnung Musterstadt*, (Straße)
Sehr geehrte Wohnungsgenossenschaft Musterstadt*,
in meiner Wohnung treten seit einiger Zeit erhebliche Mängel auf:
Durch die Sanierung der Bahnanlage (Bahndamm Musterstadt*) tritt eine enorme Erhöhung des Bahnlärms auf. Dieser Lärm beträgt nach individuellen Messungen >80dB. Ein solcher Lärm ist gesundheitsschädlich und beeinträchtigt entscheidend die Wohnqualität.
Da durch die beschriebenen Mängel der Wohnwert der Wohnung herabgesetzt und die Gesundheit beeinträchtigt wird, werde ich ab sofort die vereinbarte monatliche Gesamtmiete bis zur endgültigen Mängelbeseitigung um 10 Prozent kürzen.
Ich werde, ab sofort bei der nächsten Mietzahlung die anteilige Mietminderung vornehmen.
Ich bin gern bereit, nach Terminabsprachen, wie und wann und mit welchen Mitteln Sie diesen Mängel beseitigen wollen*****. Sie können sich gern schriftlich oder telefonisch an mich wenden,
Tel.: ..............................
Mit freundlichen Grüßen

(Mieter)
____________________________________________
* Abweichend von der Vorlage einer (hier ebenfalls nicht mehr genannt sein wollenden) Bürgerinitiative - und auf Grund eines helfenden Hinweises vom Aufsichtsrat eines hier nicht genannten Wohnungsunternehmen (verbunden mit der Androhung von Rechtsmitteln) - haben wir hier die konkreten Angaben (Name, Anschrift etc.)  selbstverständlich gern (!) anonymisiert. Schließlich trifft das Problem des Bahnlärms viel mehr Musterstädter* entlang des Bahndammes, als nur die Mieter und Genossenschafter eines einzigen Wohnungsunternehmens.


** Die Bürgerinitiative, die hier nicht mehr verlinkt werden möchte (alle Links sind hiermit entfernt), legt (plötzlich und unerwartet) Wert darauf, dass in diesem Blog ohne ihre ausdrückliche Erlaubnis auch keine Inhalte von ihrer Homepage mehr erscheinen. Wir müssen daher leider auf einen Aufruf zur Demo kommenden Montag in Weinböhla verzichten und verweisen auf die Plakate in Musterstadt und Weinböhla.


*** Die ausdrückliche Erlaubnis, Namen und Anschrift des Mietervereins Meißen und Umgebung e.V. zu nennen, haben wir zwar auch nicht - wurden aber von diesem (als einzigem!) bis jetzt noch nicht aufgefordert, dies zu unterlassen. Darum tun wir es hiermit - bevor der lange Arm wohnungsunternehmerischer Rechtschaffenheit auch noch dort hinlangt und Ordnung**** schafft: 
01662 Meißen
Dresdner Straße 10
Telefon 0 35 21 / 45 36 2Telefax 0 35 21 / 45 3601info@mieterverein-meissen.de


**** "Ordnung" ist immer Ordnung der Herrschenden. (Nicht von Rosa Luxemburg.)
***** Auch dieses merkwürdige Deutsch ist unverfälscht von der Quelle übernommen. Das hat aber noch niemand bemängelt. Na ja, vielleicht können die Musterstädter das selbst "ins verständliche" umformulieren, insbesondere das "gern bereit" - ja wozu eigentlich?

Dienstag, 13. September 2011

Demo am Bahndamm rege besucht

Die Demo war ein voller Erfolg

Die Organisatoren (nach Meinung des Fotografen)/Foto: Rode

Zu der angekündigten Demo waren schätzungsweise 1000 Menschen  erschienen.

Ausführlich berichtet (neben der Sächsischen Zeitung) auch Coswig von Links.



Am Bahndamm /Foto: Rode

Sonntag, 4. September 2011

Lärmschutz und Privat-Initiative

Ein Versuch, miteinander über Lösungen zu sprechen
von Reinhard Heinrich 
Am vorigen Freitag lud die FDP Coswig Vertreter beider Bürgerinitiativen zu einem Gespräch über mögliche Lösungswege für das Bahnlärm-Problem ein.

Für die Bürgerinitiative "Am Neucoswiger Bahndamm" (bestehend seit Oktober 2009) nahmen vier Vertreter teil - so kompetent, wie man als Laie eben sein kann. Aber doch Fachleute verschiedener Art, darunter ein Geologieprofessor, ein "Ehren-Lockführer" der Harzquerbahn (Eisenbahnfan also), ein semiprofessioneller Journalist und ein in Coswig wohnender Mitarbeiter des Umweltamtes der Landeshauptstadt.

Diese Berufe waren insofern interessant, als der Geologe etwas zur Standfestigkeit von Häusern, Bahndämmen und Schallschutzmauern in unserem tektonisch nicht völlig toten Territorium zu sagen wusste, während der gesetzeskundige Umweltamts-Angestellte sich in den Bauvorschriften für Schallschutzwände auskannte. Der "Ehren-Lockführer" sprach als betroffener Anwohner und der Journalist berichtet hier.

Die Einlader waren nicht so ganz glücklich über die ungleiche Beteiligung seitens der zwei Bürgerinitiativen aber mussten natürlich die Tatsachen hinnehmen, wie sie sind.

Dienstag, 9. August 2011

Kalte Lötstelle bei der Kommunikation?

Eine optimistische Selbstkritik
Da haben wir nun seit einiger Zeit wieder ein Kontaktformular (ich weiss, es geht bestimmt noch besser) und erhalten sogar die folgende Anfrage:
Ein Besucher schrieb uns: 20.07.2011 13:13:16 Lärm-Protokolle, ich bitte um Übergabe des Lärm-protokolls, da dieses im Bürgerbüro nicht mehr verfügbar ist.
Und dann schleift es sich eben doch drei (Urlaubs)-Wochen hin, bis der Wunsch erfüllt (s. rechts: "Downloads") ist.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Hörbarer Verkehr

Bahnlärm unerträglich für Lebensqualität
von Dr. Eckehard Franz
Stadtrat
Wer an der Bahn wohnt, kann dir was erzählen; das heißt, wenn du ihn noch verstehen kannst.

Auch wir haben nach der abgeschlossenen Rekonstruktion der „Berliner Bahnstrecke“ ein neues, höchst unerfreuliches Problem. Der Lärm ist viel lauter als vorher, die Züge fahren schneller und dichter als vordem. Es dröhnt viel weiter in die Stadt hinein. Die ZdF-Sendung vor einigen Tagen über das mittlere Rheintal zeigte, dass das deutschlandweit so ist.

In der Einwohnerversammlung am 10. Mai ließ der OB die Geräusche einspielen. Ohrenbetäubend, wesentlich lauter als vorher. Wir haben uns die Wissenschaft geholt, denn mit der Bahn war und ist kein leichtes Spiel. Prof. Hecht von der TU Berlin, schon Jahrzehnte auf dieser Strecke: nur wenn die Ursachen genau geklärt sind, gibt es die richtigen Forderungen und Erfolg im Kampf mit der Bahn. Die Forschungen ergaben: der dichtere Bahnkörper, die stärkeren Schienen, die neuen Schwellen, die fehlenden Bäume sind auch schuld. Sie verstärken die Bahngeräusche. Die Hauptursache sind die Rauigkeit von Schiene und Rädern. Es läuft nicht glatt, wenn die Backenbremsen die ursprünglich glatte Radoberfläche und diese dann die Schienenoberfläche aufrauen. Lösung: die Bremsen verändern, weg von der Backenbremse und hin zur Scheibenbremse aus Spezialplaste. Zusätzlich die Schienen immer wieder glattschleifen und die Güterzüge entlärmen.

Dazu gibt es seit langem Erkenntnisse und Maßnahmen. Die Schweiz ist mit ihrem Umrüstungsprogramm schon fast fertig, die Deutsche Bahn noch ganz am Anfang. Es „lohnt“ sich nicht, der Druck ist zu klein, noch.

Was wir tun? Mit den anderen betroffenen Kommunen Radebeul und Weinböhla zusammen kämpfen. Ziel: die technischen Maßnahmen der Bahn zur Lärmminderung an den Schienen, die sie in Königsstein bis Bad Schandau durchführt, auf unsere Strecke übertragen. Überall Lärmschutzwände ist nicht möglich. Das sehen auch wir ein, das ist nicht bezahlbar. Aber über Tempobegrenzung werden wir hart verhandeln, denn das ist nicht aufwändig und hilft spürbar.

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